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Katalysator Comic Sans

Projekt

, Bachelor

Der Siegeszug des Personal Computers, der Mitte der Neunzigerjahre mit beispielloser Geschwindigkeit in die Haushalte der westlichen Welt eingezogen ist, rekurriert zumeist auf zwei Aspekte: Virtualisierung von Wirklichkeit und weltumspannende Vernetzung. Dass der PC aber auch eine Vervielfältigung von Ausdrucksformen und -formaten mit sich brachte, ist ein Aspekt, der manchmal eher stiefmütterlich betrachtet wird.

Im Zuge der Digitalisierung[^Der Begriff der Digitalisierung bezieht sich in der vorliegenden Arbeit in der Hauptsache auf den Einzug des Personal Computers in den alltäglichen Haushalt. Der Gebrauch digitaler Geräte in der Gestaltung in den vorangegangenen Jahren davor wird, sofern nicht anders gekennzeichnet, ausgeblendet.] hielt die Comic Sans als im Betriebssystem Windows 95 vorinstallierte Schrift im Sommer 1995 Einzug in viele Haushalte und ist seither aus der alltäglichen Gestaltung nicht mehr wegzudenken. Nach ihrer Einführung fand sie erst rasch Verbreitung, später wurde sie eher verächtlich beäugt. In jüngerer Zeit erlebt die Comic Sans nun aber eine neuerliche Konjunktur, die maßgeblich mit dem aktuellen Revival der Jahrtausendwendezeit in vielen Bereichen der (Jugend-)Kultur zu tun hat. So werden persönliche Fragen nach Prägung und Geschmacksbildung aufgeworfen: Was ist meine Auffassung von Gestaltung? Wie und vor welchem Hintergrund positioniere ich mich als Gestalterin? Und wie beeinflussen äußere Umstände, wie der Fakt, die erste Generation zu sein, die mit digitalen Medien aufwuchs, meine Herangehensweisean Gestaltung?

In dieser Bachelorarbeit steht der Versuch im Vordergrund, die Comic Sans historisch und gestalterisch einzuordnen, was auch bedeuten muss, sie als eine Schrift ernst zu nehmen, die unseren Alltag ganz wesentlich mitbestimmt. Anhand unterschiedlicher Techniken und mit Hilfe der Helvetica als formaler Gegenspielerin wird die Comic Sans auf ihre Eigenschaften untersucht. Die Analyse läuft auf die Gestaltung einer neuen Schrift hinaus: Dopamin ist eine variable (Bügelperlen-)Rasterschrift, die sich momentan noch in der Entstehung befindet und bald als Open-Source-Schrift verfügbar werden soll.