Poetic Intervention
Projekt
, Bachelor
›Poetic Intervention‹ ist eine Web-Anthologie und Bachelorarbeit, die das poetische Potenzial von Design und Code erforscht. Während das Design und die Programmierung von Websites oft auf eine universelle, reibungslose und gewinnorientierte Erfahrung ausgerichtet sind, traut sich Poesie, persönlich, unkonventionell und unfunktional zu sein. Das Projekt nutzt Ideen der Poesie, um mit den ästhetischen Qualitäten von Sprache zu spielen und bricht mit den Konventionen, wie eine Website aussehen und funktionieren sollte.
Konkrete und visuelle Poesie haben einen großen Einfluss auf dieses Projekt gehabt. Seit der Antike gibt es Experimente mit der Form von Text, die sich im 20. Jahrhundert stark weiterentwickelt haben. Besonders mit den experimentellen Dichtern der Avantgardepoesie Stephane Mallarmé und Guillaume Apollinaire des späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhunderts und Eugen Gomringer, einer der Schlüsselfiguren der konkreten Poesie der 1950er Jahre, habe ich mich beschäftigt. Jedes poetische Experiment, aus dem diese Web-Anthologie besteht, ist ein direkter oder indirekter Verweis auf die Werke visueller Dichterinnen aus unterschiedlichen Punkten der poetischen Zeitgeschichte. Gleichzeitig haben mich alternative Ideen über das Web von zeitgenössischen Grafikdesignerinnen wie Chia Amisola, Laurel Schwulst und Tiger Dingsun oder der Autorin J.R. Carpenter (›A Handmade Web‹) inspiriert.
Durch das Medium Web werden diese poetischen Arbeiten mit neuen Möglichkeiten der Interaktion, der Vergänglichkeit und des Zufalls konfrontiert, die in ihrer statischen analogen Form nicht möglich waren. Gleichzeitig eröffnet die Poesie einen interdisziplinären und experimentelleren Blick auf Grafikdesign und Programmierung. Wenn man eine Website wie ein Gedicht behandelt, kann man sie auf offenere und kreativere Weise betrachten. Es hilft dabei, einen Ort zu gestalten, an dem die Besucher*innen selbst kreativ werden können und sich zur Interaktion und Selbstreflexion eingeladen fühlen.