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Situationship of the Spectacle

Projekt

Die Situationistische Internationale (S.I.) war eine im Jahr 1957 gegründete künstlerische und politische Bewegung, die marxistische Theorie, insbesondere das Konzept der Entfremdung, mit einer avantgardistischen kreativen Praxis vereinte. Nach dem Zweiten Weltkrieg — einer Zeit des aufkommenden Konsumismus und des technologischen Fortschritts in weiten Teilen Westeuropas — sah sich die S.I. mit einer neuen, verderblichen und allumfassenden Form des Kapitalismus konfrontiert. So machten sie es sich zur Aufgabe, neue Methoden zu entwickeln, um den scheinbar unpolitischen und zunehmend gefügigen Zeitgeist in der Bevölkerung zu beschreiben und zu untergraben. Auf diese Weise entwickelten die Situationisten Konzepte, die nicht nur zu ihrer Zeit sehr einflussreich waren, sondern auch in der heutigen Zeit von grösster Bedeutung sind.

Die heutigen Modalitäten der Kommunikation und des Konsums in digitalen Räumen machen das Konzept des Spektakels von Guy Debord, dem Begründer und Vordenker der Bewegung, besonders aktuell. In seinem bahnbrechenden Text Die Gesellschaft des Spektakels stellt Debord das Spektakel als ein Werkzeug der Manipulation und Kontrolle dar, das den kollaborativen, kreativen und revolutionären Geist des Menschen sublimiert und ihn durch die künstliche Begierde ersetzt, Statussymbole zu erwerben. Zwischenmenschliche Beziehungen werden dann in ein Faksimile verwandelt, das durch Konsumobjekte und Bilder vermittelt wird. Die heutige, überwiegend online geprägte Landschaft zeigt dieses Spektakel in neuen und immer absurderen Erscheinungsformen, die durch die von internationalen Megakonzernen entwickelten und eingesetzten Instrumente des Social Engineering verkörpert werden.

Das Ziel des Webdesign-Projekts, Situationship of the Spectacle, ist es, den Nutzern situationistische Methoden wie dérive und détournement im Kontext von virtuellen Räumen vorzustellen. Debords Konzept des Spektakels wird als primärer analytischer Rahmen verwendet, durch den die Interaktionen dargestellt werden: Oberflächliche Website-Elemente sind blosse Repräsentationen, die ablenken und frustrieren sollen. Bilder der Aufstände vom Mai 1968 in Frankreich, auf die die S.I. grossen Einfluss hatte, werden manipuliert, um einen ansprechenden, aber subversiven interaktiven Raum zu schaffen. Erst durch die Erkundung und anschliessende Bewaffnung mit digitalen Werkzeugen wird der darunter verborgene thematische Kern des Projekts zugänglich. So wie die Situationisten sich die Kulturindustrie durch Détournement wieder angeeignet und infiltriert haben, so müssen die Benutzer ihre eigene Neugier und Kreativität nutzen, um die Botschaften hinter diesem Projekt zu enthüllen.