Nicht-Orte

Saskia Kühnemund

• Nicht-Orte sind nicht „leer“ – sie sind anders.

• Ein Ort der Anonymität, der Einsamkeit, der Entwurzelung.

• Ein Nicht-Ort definiert sich nicht durch seinen Mangel sondern durch die Differenz zu anderen Orten.

• Modernisierung und Globalisierung führen weltweit zu einer rasanten Zunahme von sinnentleerten Funktionsorten.

• Diese Räume stiften keine individuelle Identität, haben keine gemeinsame Vergangenheit und schaffen keine sozialen Beziehungen.

• Der Raum der Nicht-Orte schafft Einsamkeit und Gleichförmigkeit

• Nicht-Orte schaffen zwei verschiedene aber in Verbindung stehenden Realitäten: konkreten Räume, die in Bezug auf bestimmte Zwecke (z.B. Verkehr, Transit, Konsum) konstituiert sind, und zum anderen ist es die Beziehung, die das Individuum zu ihnen unterhält.

• Nicht-Orte zeichnen sich durch ihren provisorischen Charakter aus: Man kann sich an ihnen nur für einen Moment aufhalten, sie sind nicht zum Verweilen gedacht. Sie entsprechen einem offenen Konstrukt, das sich aus einer unendlichen Vielzahl von möglichen Wirklichkeiten zusammen setzen kann, die immer nur für einen kurzen Augenblick in Erscheinung treten, denn Nicht-Orte verkörpern einem im Transit befindlichen Zwischenraum, …dessen Grenzen sich permanent verschieben, ja selbst diskontinuierlich verlaufen und ständig unterbrochen werden.

• Nicht-Orte existieren niemals in reiner Gestalt, es setzen sich darin neue Relationen zusammen. In der Welt von heute überschneiden und durchdringen Orte und Räume, Orte und nicht-Orte sich gegenseitig.

• Ort und Nicht-Ort sind fliehende Pole; der Ort verschwindet niemals vollständig, und der Nicht-Ort stellt sich niemals vollständig her –> ein verworrenes Spiel von Identität und Relation welches ständig aufs neue seine Spiegelung findet.

• Es genügt ein Plakat oder ein Bildschirm um durch nichtmenschliche Vermittlung zwischen Individuum und Öffentlichkeit zu kommunizieren

• Ein Beispiel für die Besetzung des Raumes durch den Text sind sämtliche Aufforderungen, denen wir auf unseren Straßen, in unseren Einkaufszentren oder an den Vorposten des Bankensystems an unseren Straßenecken begegnen, sie richten sich unterschiedslos an jeden von uns (»Vielen Dank für Ihren Besuch«, »Gute Reise«, »Wir danken für Ihr Vertrauen«), und zwar an jeden beliebigen von uns: Sie erzeugen den »Durchschnittsmenschen«, der als Benutzer des Verkehrs-, Handels- oder Bankensystems definiert ist. Sie erzeugen ihn, und am Ende individualisieren sie ihn. –> Ein Passagier der Nicht-Orte findet seine Identität also nur an der Grenzkontrolle, der Zahlstelle oder der Kasse des Supermarktes.

• Nicht-Orte beschreiben den Prozess von kulturellen Transformationen. Sie entsprechen realen Orten, die jedoch keineswegs als ein ‘Nichts’, das nirgendwo zugegen ist, zu verstehen sind. Nicht-Orte sind in einem ständigen Werden und Wandel sich befindenden Orte jenseits aller anderen Orte; sie haben sich von dem urbanen Kontext abgehoben und zeigen eine Veränderung sowohl in der sozialen als auch strukturellen Verflechtung des urbanen Netzwerkes an.