Radikal ist das neue Sexy

Katharina Wanke

Radikalität ist in Gesellschaft und Politik meist negativ konnotiert — wer radikal ist, ist nicht nur unangepasst, sondern auch extrem und damit gefährlich. Die Scheu davor, klar Stellung zu beziehen und sich angreifbar zu machen, ist somit groß. In dieser Zeit, in der die größten sozialen und ökologischen Krisen zu bewältigen sind, wird also herumgedruckst, Verantwortung hin und her geschoben und vage Aussagen gemacht. Diejenigen, die mit Dringlichkeit Veränderungen und konkrete Handlungen fordern, werden als hysterisch und extrem abgestempelt. Doch eine Welt mit radikalen Problemen braucht radikale Antworten. In der Kunst und Philosophie ist Radikalität notwendig, gradezu Bedingung einer produktiven Auseinandersetzung. Auch im Design spielen radikale Haltungen eine wichtige Rolle. Grade jetzt kommt eine neue radikale Welle des Designs auf, das grundlegende Veränderungen in der Designordnung anstrebt und den Designkanon hinterfragt. Auch hier müssen patriarchale Hierarchien aufgebrochen und die Geschichte neu geschrieben werden — Gestaltung muss dekolo- nialisiert, pluralisiert und queerfeministisch werden. Dabei gilt es zu untersuchen: Wie sieht radikales Design aus? Wie funktioniert es? Wie kann es als Katalysator für gesamtgesellschaftliche Veränderungen wirken? Lasst uns Radikalität positiv besetzen und diese Fragen beantworten. Lasst uns endlich dringend die gesellschaftlichen und politischen Probleme ‹an der Wurzel› greifen und grundlegende Veränderung schaffen. Denn Radikal ist das neue Sexy.

Technik

After effects, Illustrator, Indesign, Photoshop